In Guerickes leicht demontierbarer Reiseluftpumpe flossen seine bisherigen Erfahrungen
mit Ventilen, Kolben, Dichtungen und Restgas zusammen. Die dritte Bauart erreichte
deutlich niedrigere Drücke und ließ sich für unterschiedliche Vakuumexperimente einsetzen.
1Beim Ansaughub gelangt Gas aus dem Versuchsgefäß in den Pumpenzylinder.
2Beim Rückhub wird dieses Gas durch das zweite Ventil nach außen gedrückt.
3Jeder weitere Hub verringert den Druck im angeschlossenen Gefäß.
Die Pumpe selbst in Gang setzen
Führe einzelne Pumpenhübe aus. Das Modell zeigt abwechselnd Ansaugen und Ausstoßen,
den Zustand der beiden Ventile und den sinkenden Druck im Glasrezipienten.
Bereit zum ersten Pumpenhub
Detail aus Iconismus VII. Die farbigen Überlagerungen erklären den Pumpenzyklus und gehören nicht zum historischen Original.
Die dritte Bauart.
Der lange Pumpenzylinder, die Hebelführung und zwei Ventile an der Zylinderstirnseite bilden das Herz der Reiseluftpumpe.
Pumpenzyklus0 von 10 Hüben
Druck1000 hPa
Vakuumgrad0 %
ZustandAtmosphäre
Ventile während des HubsRuhezustand
Ventil hgeschlossen
Ventil mgeschlossen
Nebel als Druckhinweis
Guericke beobachtete Nebelbildung im Glasrezipienten. Aus heutiger Sicht lässt sich
daraus – abhängig von Temperatur und Feuchte – ein sehr niedriger Druck ableiten.
Die Ausstellung nennt als Größenordnung etwa 10 hPa bei 7 °C.
Was die dritte Bauart verbesserte
Ventile an der Stirnseite
Beide Ventile lagen direkt am Zylinderende. Dadurch wurde das schädliche Restvolumen verkleinert.
Verlängerter Kolben
Gegenüber einer Feuerspritze war der Kolben deutlich länger. Das vergrößerte Dichtflächen und Saugvermögen.
Hebelführung
Guericke legte besonderen Wert auf eine parallele Führung des Pumpenkolbens.
Verbindungen unter Wasser
Konische Steckverbindungen lagen zur besseren Abdichtung in einem Wasserbad.
Originaldarstellungen im Detail
Iconismus VII: Anwendung der dritten Pumpenbauart für verschiedene Vakuumexperimente.Iconismus VI: Pumpe mit Glasrezipient sowie Details zu Ventilen, Dichtungen und Steckverbindungen.Detailausschnitt: Ventile, Verbindungsteile und Dichtungselemente.
Eine Pumpe für den Kurfürsten
1663 führte Guericke die Pumpe dem brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm vor.
Das als Geschenk übergebene Gerät gelangte 1906 durch Kaiser Wilhelm II. an das Deutsche Museum in München.
Quellen und Vertiefung
Otto von Guericke: Experimenta Nova (ut vocantur) Magdeburgica de Vacuo Spatio, Amsterdam 1672.
Otto-von-Guericke-Gesellschaft Magdeburg: Materialien zur dritten Bauart der Vakuumluftpumpe.
Das interaktive Druckmodell ist didaktisch vereinfacht und keine exakte Kennlinie der historischen Pumpe.
Sonderausstellung
Leben und Wirken Otto von Guericke
23. August bis 17. September 2026
Die Ausstellung widmet sich dem Wissenschaftler, Erfinder, Physiker und Politiker Otto von Guericke, der mit seinen Vakuumexperimenten die Wirkung des Luftdrucks sichtbar und begreifbar machte.
Eine Ausstellung über Luftdruck, Vakuumtechnik und eine der großen wissenschaftlichen Entdeckergeschichten Europas.